15. November 2016

BUCHVORSTELLUNG: WIR WAREN DOCH SO JUNG

Der zweite Weltkrieg ist für uns nicht nur ein Ereignis, welches im Schulunterricht zu behandeln ist. Selbst viele Jahre später scheint es für uns unbegreiflich und kaum nachvollziehbar zu sein, wie es den Menschen zu dieser Zeit ergangen ist. Wir haben das Privileg, in einer scheinbar sicheren Umgebung zu leben. Vielleicht ist es auch genau aus diesem Grund umso wichtiger, Geschichten auf den Markt zu bringen, die sich in unterschiedlicher Art und Weise damit befassen. Und es gibt nur zwei Möglichkeiten. 

Entweder es kommt wahnsinnig gut bei den Lesern an oder absolut gar nicht. 

In diesem Fall wurden Fakt (welches seperat im hinteren Teil des Buches detalliert aufzufinden ist) und Fiktion gemischt.

Der Ton der Trillerpfeifen schrillte Jakob in den Ohren. Er rannte in die entgegengesetzte Richtung, platschte durch eine Pfütze und brach durch ein Gebüsch. „Wenn die nur nicht schießen“, ging es ihm durch den Kopf.
Aachen zur Zeit des Nationalsozialismus: Jakob Bergmann wächst in einem scheinbar behüteten bürgerlichen Umfeld auf. Nachdem 1933 die Nazis an die Macht gelangt sind, nehmen die Repressalien gegen die jüdische Bevölkerung stetig zu. Die Verdrängung aus dem öffentlichen Leben sowie die Verfolgung seiner Landsleute werden für den Heranwachsenden zum grausamen Alltag. Einzig die Liebe zu Annie und eine alte Münze seines Großvaters ermöglichen es ihm, den Glauben an eine Zukunft nicht zu verlieren …



Das Buch ist sehr einfach geschrieben und lässt sich folgedessen wahnsinnig schnell lesen. Inhaltlich hebt es sich in keiner Weise zu vergleichbaren Büchern ab. Es gibt sogar Textfragmente die aufgrund anderer Litertaur in dem Bereich schon vorhersehbar sein. Interessant fand ich jedoch den Aspekt, dass die Hauptfigur die jüdische Perspektive einnimmt.
Die Handlungen plätschern vor sich hin und sind kaum ausgeschmückt. 

Dadurch fällt das Buch weder positiv noch negativ auf. 

Und das ist wiederum schade, denn dadurch verliert die Handlung zunehmend an Fahrt. Dies kann ich insofern nachvollziehen, da versucht wurde, sich so gut es geht an den Fakten zu halten. Aber da deutlich gemacht wurde, dass es sich nicht um eine Dokumentation handle, ist das verhaltene Schreiben äußerst deplatziert.

Leider hat die Trennung von Fakt und Fiktion die Leselaune gedrückt und all das, was andere Literatur rund um das Thema des 2. Weltkrieges schafft, nicht auslösen können. All die Emotionen und Gedanken, die die Geschehnisse aufgreifen sollten, sind leider zu kurz gekommen.

Das Herzblut, dass in dieses Buch geflossen sein mag, war für mich nicht erkennbar.  

S c h a d e !

Kommentare:

BeautyChemCam hat gesagt…

Ich kann nur immer wieder Versteckt wie Anne Frank empfehlen. Ein sehr schönes Buch voller wahrer Kurzgeschichten von jüdischen Kindern.

Dressed With Soul hat gesagt…

Ja, das ist wirklich schade! Danke für Dein ehrliches Review!
xx Rena
www.dressedwithsoul.com

Rostrose hat gesagt…

Ich find's auch immer wieder schade, wenn eine an sich gute Buch-Idee eher "mau" umgesetzt wird ...
Hab noch einen schönen Abend und eine angenehme weitere Woche!
Alles Liebe, Traude
http://rostrose.blogspot.co.at/2016/11/out-of-africa.html

hokis 1981 hat gesagt…

Herzlichen Dank für Dein ehrliche Meinung! Das schätze ich sehr!

Hab einen schönen Tag!

xoxo Jacqueline
Mein Blog - HOKIS

Diana B. hat gesagt…

Sehr schade, klang zuerst recht vielversprechend!

Das Bücherregal hat gesagt…

Schade....Insgesamt klang das Buch ja zu Beginn sehr interessant!

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