25. Mai 2012

ANALYSE: "Ich hab genauso Angst wie du" von Rosenstolz

Da ich vor kurzem eine Hausaufgabe in Deutsch abgetippt habe, dachte ich, es wäre eine Hilfe für euch, sofern ihr in der nahen Zukunft einmal dieses Thema bearbeitet. Dabei könnt ihr meine Analyse eines Songtextes als Vorlage verwenden. Für alle, die dieses Thema nicht bearbeiten denke ich, dass es trotzdem eine interessante Sache ist und ein wenig Abwechslung in meinen Beiträgen hinein bringt.

In dem Songtext „Ich hab genauso Angst wie du“ von der Musikgruppe Rosenstolz, welcher 2006 auf der CD „das große Leben“ erschien, thematisiert die Höhen und Tiefen einer Beziehung und deren Konsequenzen die sich daraus schließen lassen.

Der vorliegende Text lässt sich in sieben Strophen aufteilen. Während Strophe eins und Strophe drei jeweils acht Verse beinhalten, erkennt der Betrachter eine Abweichung in Strophe fünf und Strophe sieben, die zum Einen aus zehn Versen und zum Anderen aus lediglich einem Vers besteht. Nur die Strophen zwei, vier und sechs zeigen die gleiche Anzahl von jeweils fünf Versen und lassen dem Leser vermuten, dass es bei dieser Regelmäßigkeit um den Refrain handelt.

Ich verstecke Dich
Vor Deinem schlimmsten Traum
Und wärme Dich
Wenn Du an Dir erfrierst
Ich küsse Dich
Wenn Dich keiner küssen mag
Und liebe Dich
Wenn Du Dich wieder verlierst

In der ersten Strophe befindet sich ein Kreuzreim der in der Konstellation abcdefd nachzuweisen ist. Jeder zweite Vers endet mit dem Wort „Dich“ (1,3,5,7), wobei der zweite und sechste Vers keinen Bezug zu den anderen Versen haben. Lediglich Vers 4 und Vers 8 reimen sich „erfrierst“ und „verlierst“.

 Ich hab genauso Angst wie Du
Meine Flügel sind aus Blei
Und bist Du verrückt
Bin ich`s um so mehr
Vom Fliegen sind wir noch ganz schwer

In der zweiten Strophe erkennt der Betrachter einen Paarreim in der Reihenfolge abcdd mit dem Reim in Vers 4 „mehr“ und in Vers 5 „schwer“.


Ich denk mir für Dich
Einen Himmel aus
Und glaub für Dich
Wenn Du selber nicht glaubst
Ich denk für Dich
Die Sonne neu
Und klau sie Dir
Wenn Du Feuer brauchst

In der dritten Strophe befindet sich wie in Strophe eins ein Kreuzreim mit der gleichen Zusammenstellung. Wieder endet jeder zweite Vers mit dem Wort „Dich“ (1,3,5,7), wobei der zweite und sechste Vers sich vom Gesamteindruck dieser Strophe abheben, da sie keinen direkten Bezug in Reim und Ähnlichkeit zueinander haben „aus“ und „neu“. Erst in Vers vier „glaubst“ und in Vers acht „brauchst“, erkennt der Leser den Reim.

Ich hab genauso Angst wie Du
Meine Flügel sind aus Blei
Und bist Du verrückt
Bin ich`s um so mehr
Vom Fliegen sind wir noch ganz schwer

In der drauf folgenden Strophe vier ist das selbe Muster zu erkennen, wie bei der zweiten Strophe. Dies ist eine Wiederholung der kompletten Strophe, wie sie in der Zweiten aufzufinden ist.

Ich hatte schon immer
Schwierigkeiten mit dem Leben
Und hatte schon immer
Schwierigkeiten, das auch zuzugeben
Ich wollte schon immer
Schneller laufen
Höher fliegen
Und wollte schon immer
Höher hinaus
Und bin doch drunter geblieben

Die fünfte Strophe weicht komplett von der bisherigen Vorgehensweise des Verfassers ab, denn es ist ein anderes Schema vorzufinden, welches sich in abcbdefgef widerspiegelt. Auffallend dabei ist, das diesmal fast jeder zweite Vers mit „immer“ endet (1,3,5,8) und zwei Kreuzreime vorhanden sind. In Vers zwei „Leben“ und in Vers vier „zuzugeben“ und in Vers sieben „fliegen“ und Vers zehn „geblieben“. Außerdem heben sich Vers sechs „laufen“ und Vers neun „hinaus“ in dem Sinne von der Strophe ab, da sie genauso wie in Strophe eins und Strophe drei zu den Versen gehören, bei denen man weder Reim noch Ähnlichkeiten nachweisen kann.

Ich hab genauso Angst wie Du
Meine Flügel sind aus Blei
Und bist Du verrückt
Bin ich`s um so mehr
Vom Fliegen sind wir noch ganz schwer

Die sechste Strophe ist nochmals eine Wiederholung von Strophe zwei und Strophe vier.

Ich hab genauso Angst wie Du

Die siebte Strophe besteht aus einem einzigen Vers, indem der Titel des Songtextes aufgegriffen wird.

In der ersten Strophe geht der Komponist auf das Befinden seines Gegenüber ein, indem dieser Situationen schildert, die die Stärke einer Beziehung ausmachen. Für den Verfasser ist es wichtig zu symbolisieren, dass die Schwäche seines Partners kein Nachteil ist, sondern die Energie des Stärkeren beide zum Vorteil nutzen können. Er spricht dabei immer einen bestimmten Menschen an, dies erkennt der Leser durch die Endung jedes positiven Verses mit „Dich“. So wird anhand von Beispielen „schlimmsten Traum“ (Strophe 1 Vers 2), „erfrierst“ (Strophe 1 Vers 4), „Dich keiner küssen mag“ (Strophe 1 Vers 6) und „Du Dich wieder verlierst“ (Strophe 1 Vers 8) dem Betrachter gezeigt, dass trotz schlechter Erfahrungen stets jemand an der Seite einer Person ist, die einen Sicherheit und Halt gewährt.
In der zweiten Strophe beginnt der Refrain mit dem Aufgreifen des Songtitels. Rosenstolz will damit verdeutlichen, dass in einer kritischen Situation keiner auf sich allein gestellt ist, sondern Menschen um einen sind die die gleichen Sorgen haben. Dies wird besonders durch eine Metapher verdeutlicht, indem der Zusammenhang von „Flügel“(Strophe 2 Vers 2) die für etwas leichtes stehen, durch schwer wie „Blei“(Strophe 2 Vers 2) als negativ dargestellt wird. Der Verfasser bekräftigt seinen Partner, nicht auf das eigene Verhalten Rücksicht zu nehmen, sondern durch ungeplantes Handeln das Leben zu genießen, auch wenn die momentane Situation es nicht zulässt. Mit der Aussage „Vom Fliegen sind wir noch ganz schwer“ (Strophe 2 Vers 5) will der Dichter darauf aufmerksam machen, dass eine Beziehung Höhen und Tiefen durchlebt und das man an diesen Erfahrungen reifen kann. 

In der dritten Strophe wird nochmals eine bestimmte Person angesprochen. Dies soll dem Betrachter zeigen, wie persönlich die einzelnen Verse sind. Denn durch die Endungen jedes zweiten Verses mit „Dich“ fühlt sich der Leser angesprochen und assoziiert das Geschilderte mit den eigenen Erlebnissen. Durch die Verse „einen Himmel aus (denken)“ (Strophe 3 Vers 2), „an jemanden glauben“ (Strophe 3 Vers ¾), „eine Sonne neu denken“ (Strophe 3 Vers 6) schafft der Dichter dem Partner eine schöne Welt, die einen aufmuntern soll und gleichzeitig Energie spendet. 

In der vierten Strophe beginnt nochmals der Refrain, um die vorherige Strophe von der kommenden Strophe und dessen Wandel zu trennen.

In der fünften Strophe thematisiert der Verfasser seine Ansichten, die eigenen Erfahrungen und zeigt seinem Partner, dass was er zuvor versucht hat zu vermitteln. Auffallend dabei ist, das diesmal nicht jeder zweite Vers mit „Dich“ endet, sondern die Endung diesmal „immer“ ist. Er möchte zeigen, das jeder seine Schwierigkeiten mit etwas hat und das die Leistungen die von einem erwartet werden, nicht immer dem entsprechen, was man erbringen kann. Dies konkretisiert er durch Nennung von Beispielen, wie „Schneller laufen“ (Strophe 5 Vers 6), „Höher fliegen“ (Strophe 5 Vers 7) und „Höher hinaus“ (Strophe 5 Vers 9).

In der sechsten Strophe kommt nochmals der Refrain zum Einsatz und lässt diesen durch die fünfte Strophe aus einen anderen Blickwinkel erscheinen. Denn durch die eigenen Erfahrungen des Komponisten entsteht ein Wandel, der dem Betrachter zeigt, das eine positive Grundeinstellung zum Leben dazu verhelfen kann auch problematische Ereignisse zu bewältigen.
Dieser Eindruck wird mit der siebten Strophe die den Songtitel aufgreift abgerundet und verdeutlicht nochmals, die Wichtigkeit der Kommunikation in einer Beziehung um vermeidliche Dispute zu reduzieren, sodass man sich auf das Wesentliche im Leben konzentrieren kann. Rosenstolz appelliert mit diesem Song an die Allgemeinheit, um zu zeigen das nicht nur in Beziehungen, sondern auch in der Familie oder im Freundeskreis eine solche Atmosphäre herrschen kann. Dabei berücksichtigen sie den Gedanken einer Person, die sich einsam fühlt und machen dem Hörer verständlich, dass in solchen Situationen immer einer da ist dem es genauso geht und der ein offenes Ohr für jegliche Form von Problematik hat.

LYRIK: ROSENSTOLZ // BILDER: WEHEARTIT