19. Dezember 2011

ERFAHRUNGSBERICHT: AKUPUNKTUR

Seit längerem habe ich Schulter- bzw. Rückenschmerzen. Außerdem habe ich bei Belastung Schmerzen in der linken Wade. Das sind Fakten, die man bei gewissen Tätigkeiten nicht mehr ignorieren kann und so habe ich mich nach langer Zeit dazu überwunden, einen Arzt aufzusuchen der mir eventuell weiterhelfen kann.
Nach einem langen Gespräch schien die Akupunktur eine passende Lösung. Akupunktur ist ein Teilgebiet der traditionellen chinesischen Medizin. Meine Meinung im Vorfeld ist darüber sehr kritisch, da nur 2/3 der Behandelten wirklich geholfen werden kann. Das sind gerade mal mehr als fünfzig Prozent. Doch genauso denke ich, dass man eine Verbesserung nur erzielen kann, wenn man daran arbeitet.

Sitzung 1: Im Grunde genommen läuft jede Sitzung gleich ab. Doch das erste Mal ist immer etwas anderes. Dementsprechend war ich ein wenig nervös. Ich meine, welcher Mensch lässt schon freiwillig in sich hinein stechen? Meine Position wird wahrscheinlich immer die Gleiche sein. Auf dem Bauch liegend, möglichst bequem, sodass der Arzt an jede schmerzende Stelle problemlos heran kommt. Ich muss zugeben, dass mein Kreislauf große Probleme hatte, als die Nadeln platziert wurde. So machten sich besonders Schulter und Kopf bei mir bemerkbar. (Eine Nadel im Kopf dient angeblich zur allgemeinen Entspannung!) Trotzdem hatte ich das Gefühl, das ich mit der Zeit immer ruhiger wurde. So kamen mir die zwanzig Minuten wie die totale Entspannung vor. Zumindest im oberen Bereich. An Fuß und Bein fand ich es mehr schmerzhaft als besonders angenehm. Mein Rücken hatte dementsprechend keinerlei Veränderung, weder während der Sitzung noch danach. Meine Schulter fühlte sich während der Sitzung wie taub an und die Nadel in meinem Kopf verstärkte nur meine Kopfschmerzen die durch meine Erkältung sowieso schon unerträglich für mich waren. Auf meinem Heimweg kamen dann zum ersten Mal kleine Veränderungen. Die drauf folgenden zwei Tage war ich jedoch der ruhigste und gelassenste Mensch überhaupt gewesen. Kaum zu glauben, wo mich die Schule momentan total stresst. Trotzdem möchte ich kein Fazit schließen und warte gespannt darauf, wie es weiter gehen wird.
Sitzung 2: Beim zweiten Mal war es auch nicht Anders.. Denn ich bin ein Mensch, der lange brauch, um sich an etwas routiniertes zu gewöhnen. Zum Beispiel gibt es gewisse Vorbereitungen die man treffen muss, damit eine Sitzung anfangen kann und genau in diesem Punkt brauche ich noch etwas Zeit. Mein Problem ist aber auch, dass ich in der Zeit der Ruhe nicht wirklich bequem liegen kann und deswegen ständig damit beschäftigt bin, doch noch eine passende Lösung zu finden. Für mich ist es eine Umstellung für ganze zwanzig Minuten auf den Bauch zu liegen. Um auf das Thema zurück zu kommen, es verlief alles wie beim ersten Mal. Mir war während der Sitzung aufgefallen, dass die Nadel, die in meiner linken Hand steckte sehr störte. Im Nachhinein stellte ich fest, das sie wohl falsch platziert wurde und es entstand ein blauer Fleck. Doch weder austretendes Blut, noch ein farbenfroher Punkt auf meinem Handrücken können sich in meiner Meinung festigen. Es ist noch nicht einmal die Hälfte geschafft und deswegen möchte ich kein Fazit ziehen. Es gibt keine Veränderung oder um es genau auf den Punkt zu bringen, es gibt keine Verbesserung.
Sitzung 3: Veränderungen gab es für mich keine. Zumindest nicht im positiven Sinne. In meiner linken Wade, war nur noch ein unangenehmes Ziehen. Stress, der anscheinend unterdrückt wurde, aber da war, machte mich zickig und die Erwartungen stiegen mir jeder Minute. Diese Sitzung machte mich aber auch nicht glücklicher. Zum einen fragten mich Arzt und Arzthelferin, ob ich denn nun einen Unterschied spürte. Ich persönlich halte diese Frage für lächerlich und für äußerst weit hergeholt, wenn man bedenkt, dass ich gerade einmal die dritte Sitzung beendet hatte. Zum Anderen hat es mich auch verärgert, dass eine Nadel in meinem Rücken vergessen wurde. Glücklicherweise hatte ich dies schnell bemerkt und so konnte auch schlimmeres verhindert werden. Auch wenn ich zuvor einen Zettel unterschreiben musste, dass ich über solche doch unwahrscheinlichen Zwischenfälle in Kenntnis gesetzt wurde, hielt ich es für äußerst unprofessionell. Zumal nach der Sitzung ich extra fragte, ob alle Nadeln entfernt wurden und dies bejaht wurde. Und mal abgesehen davon, werden die Nadeln beim entfernen gezählt. Also frage ich mich ernsthaft, wie geht das? Mir war aufgefallen, dass ich deutliche Probleme mit den Nadeln in den Händen habe. Bei der dritten Sitzungen taten sie mir wieder weh und danach waren wieder Irritationen vorhanden, die einen blauen Fleck hätten vermuten lassen können. Ansonsten gibt es nichts lohnenswertes zu schreiben. Ich darf nur nicht vergessen, den Doktor auf mein Problem mit den Zonen an der Hand zu berichten. Ich hoffe sehr, dass sich dort eine Alternative finden lässt.
Sitzung 4: Beim vierten Mal war die Routine da. Ich wusste, was ich zu tun habe und ich wusste was mich Erwarten würde. Die Unterhaltung zwischen dem Doktor und mir verlief wie immer sehr kurz und auf das Wesentliche bedacht. Zu meinem Erstaunen, wurde der Raum diesmal abgedunkelt und somit war die Entspannungsgarantie höher als im Vergleich zu den vergangenen Besuchen. Obwohl ich nicht vom Fach bin, war ich schon seit meinem ersten Besuch der Meinung, dass man aus den Räumlichkeiten viel mehr heraus holen könnte. So ist beispielsweise die Belüftung nicht gerade passabel und die Hektik vom Rest der Praxis lässt sich nicht komplett ausblenden. Interessanterweise bekommt man auch so das Lästern der Fachkräfte umso deutlicher mit und bemerkt, wie inkompetent die Personen in meinem unmittelbaren Umfeld sein können. Etwas Gutes hat bisher immer mein Besuch gehabt. Ich konnte (wenn auch nur halbwegs) meinen Mittagsschlaf nachholen, ein wenig entspannen und die Zeit einfach totschlagen. Trotz des Trubels der Umwelt blieb mit also ein bisschen Wellness für die Seele.
Sitzung 5: Ein Drittel der Sitzung war vorbei. Ein erstes Fazit ist, das es nur bedingt geholfen hat. Bisher. Der Stress wurde weniger und meine Halsmuskeln sind nicht mehr so verkrampft. Ansonsten alles wie zuvor.
Sitzung 6: Mittlerweile wird es mehr schlimmer, als es sich verbessert. Zwar nimmt der Doktor Rücksicht auf mich, indem er die Nadeln an der Hand nicht mehr so tief setzt. Trotzdem wird mein Wohlbefinden auf die Probe gestellt. Meine Wade schmerzt und meine Schulter tut auch mehr weh als sonst. Ich bin sehr unzufrieden.
Sitzung 7: Zwei Tage vor meiner siebten Sitzung bekam ich wieder Schulterschmerzen. Nachdem ich den Arzt drauf angesprochen hatte, setzte er mir eine zusätzliche Nadel an den Schmerzpunkt. Die Sitzungen werden mittlerweile immer nerviger und so halte ich noch nicht einmal die Hälfte der Zeit aus, ohne unruhig zu werden. Ich hatte mir für die Zukunft vorgenommen, nur noch einen Termin in der Woche zu machen, da mir zwei zu viel sind. Es lässt sich nicht mit Schule gut kombinieren.
Sitzung 8: Aufgrund meiner verstärkten Schmerzen im Schulterbereich hat sich der Arzt dazu entschlossen, eine Nadel mehr zu setzen. Im Zusammenhang mit einer Salbe hilft es dann auch wirklich. Jedoch bin ich davon nicht gerade überzeugt, trotzdem lasse ich dies einfach geschehen. Wie ich mir zu Beginn vorgenommen habe, möchte ich mein Fazit auch erst zum Schluss ziehen.
Sitzung 9: Da ich mit den bisherigen Ergebnissen nicht zufrieden war, wollte ich mit meinem Arzt reden. Auch wenn ich jedes Mal betonen musste, das ich keine voreiligen Schlüsse ziehen wollte, musste man das Ganze auch einmal von der realistischen Seite sehen. Und wenn man es genau von dieser Seite betrachtet, merkt jeder Mensch, dass da etwas nicht stimmen kann. Es war Halbzeit, die Hälfte und es war keine Besserungen in Sicht. Ganz im Gegenteil, meine Schulter und mein Bein taten weh. Besserungen im Bereich der Schulter waren nur kurz danach vorhanden und die Schmerzen im Fußbereich sind schlimmer geworden. Der Bereich im Unterrücken blieb zumindest unverändert. Soviel dazu. Ich hatte also richtig Dampf abgelassen und war froh, mit jemanden reden zu können, der etwas dagegen hätte unternehmen können. Und was war die Antwort von meinem Arzt? „Wir haben noch sechs Sitzungen vor uns, da kann sich noch viel ändern!“
Sitzung 10: Ein seltsames Gefühl überkam mich, als mein Arzt zum ersten Mal mit Bedacht nach meinem Befinden fragte und feststellen musste, dass es mit der rhetorischen Frage allein nicht getan sei. Denn was sollte er für eine Antwort bekommen, wenn ich ihn besuchte. In mir kam der Verdacht hoch, mein Arzt hätte eventuell Zugriff auf meinem Computer, denn online sollte dieser Bericht erst nach den fünfzehn Sitzungen gehen. Jedenfalls war ich total erstaunt, dass bei meinem zehnten Besuch (!!!) der Knoten zumindest beim Herr Doktor geplatzt zu sein schien. So stellte er mir die Kopflehne nach meinen Bedürfnissen ein und Stach die Nadeln in den Händen, wie schon Sitzungen zuvor erwähnt, endlich mal nicht so tief in meine Haut wie sonst. Zum ersten Mal konnte ich richtig entspannen und die Gedanken schweifen lassen. Denn zum ersten Mal wurde Interesse gegenüber eines Patienten gezeigt. Meine Zuversicht wächst, denn in fünf Sitzungen kann man bestimmt noch etwas bewegendes erreichen.
Sitzung 11: Ich hatte kurzfristig beschlossen, den Sportunterricht mitzumachen. Vorallem ging es mir darum, konkrete Schlüsse ziehen zu können, ob denn nun meine Scherzen im Bein bei Belastung besser oder schlechter geworden sind. Ich verblieb mit dem Doktor dabei, ihm Bericht zu erstatten, wenn ich ihn das nächste Mal besuchen würde.
Sitzung 12: Es verlief alles unproblematisch. Das Gespräch mit dem Arzt hatte mir auf jedenfall geholfen, auch wenn das Resultat er ernüchternd war. Ich bekam schlichtweg eine Überweisung zur Orthopädie, weil mein Arzt mit seinem Latein am Ende ist. Das heißt also für mich, dass ich noch drei Sitzungen brauche, um die Akupunktur abzuschließen und mich neuen Dingen zuwenden kann.
Sitzung 13: Für mich war es seitdem beschlossen wurde, das ein Besuch beim Orthopäden sinnvoller sei klar, dass die Termine zur Akupunktur nur noch verschwendete Zeit seien. So wollte ich zu Beginn keine schnellen Schlüsse ziehen. Doch der Punkt an dem ich gekommen war, ließ meine Handlungen sofern erklären, dass ich es einfach nur noch geschehen ließ. Ich werde letzten Sitzungen hinter mich bringen und sagen können, das ich es komplett durchgezogen habe. Und das bedeutet mir viel.
Sitzung 14: Viel kann ich dazu gar nicht mehr sagen. Es steht schließlich fest, dass ich weiter behandelt werde und das von einem Facharzt. Dementsprechend kann ich sagen, das vergeudete Zeit ist. Und trotzdem werde ich die letzte Sitzung auch noch machen. Hauptsache ich kann zu mir sagen, das ich es auch gemacht habe.
Letzte Sitzung: Da die Wunder ausblieben, die ich mir erhoffte, war der letzte Besuch nur noch aus Routine entstanden. Vor der Sitzung kam noch ein kurzes Gespräch zwischen dem Arzt und mit zustande, indem thematisiert wurde wie mein Gesamtfazit nun wäre. Dabei ließ ich bewusst die Probleme mit meinem Bein außen vor und ging besonders auf die Schmerzen meiner Schulter ein. Denn so sehr ich es auch gerne gehabt hätte, dass mir die Sitzungen etwas gebracht hätten, umso mehr bliebt der Erfolg aus. Deswegen kann der Schein einer Hilfe die Realität trüben und somit auch das Gesamturteil. Vom Sinn her erzählte ich dem Doktor genau das und die Reaktion von ihm ging gegen Null. Aus diesem Grund würde ich sagen, das meine Erwartungen nicht annähernd gerecht wurde. In diesem Sinne ließ ich die letzte Sitzung über mich ergehen. Ich bin stolz auf mich, dass ich es durchgezogen habe. Die Zeit die ich investiert habe hat sich nicht gelohnt und trotzdem wurde auf diese Art und Weise mein Durchhaltevermögen auf die Probe gestellt. Ich habe gewonnen, auch wenn es den Anschein macht, dass ich verloren hätte. Ich muss geradeaus schauen und sehen, wie ich eine Lösung finde. Akupunktur hat mir nicht geholfen, doch es hat mir viel Zeit zum Nachdenken verschaffen. Diese Zeit spiegelt Alternativen wieder. Die Einen erkennt man sofort und die Anderen erst später. Ich glaube, das wenn ich genauer hinsehen werde, eine Lösung finde. Wie immer im Leben.

Kommentare:

Ahnungslose Wissende hat gesagt…

Schade, dass dir die Akupunktur nicht wirklich helfen konnte- Ich selbst werde wohl seit Jahren bald mal wieder ein paar Sitzugen in Anspruch nehmen. Als Jugendliche hatte es mir sehr bei meiner Migräne geholfen, die ich jetzt leider wieder gehäuft habe...

Liebe Grüße :)

Anna X. hat gesagt…

Danke für diesen tollen Erfahrungsbericht! Schade, dass es bei dir nichts gebracht hat...
Ich spiele schon länger mit dem Gedanken, auch mal Akupunktur wegen meiner Migräne auszuprobieren...

Ahnungslose Wissende hat gesagt…

Oh je, ich hoffe doch nicht, dass es etwas "Schlimmeres" ist :(

Liebe Grüße...

Don't stop believing hat gesagt…

:) echt toll das mal jemand so erfahrungsberichte schreibt :D
gefällt mir :)

Aniela hat gesagt…

Hi,

also das mit der Akkupunktur finde ich richtig interessant! Meine Mama hat sich früher einer geben lassen gegen ihre Katzenallergie und das hat super geholfen, ich versuch auch die ganze Zeit meinen Freund davon zu überzeugen, vielleicht zeig ich ihm einfach deinen Post :)

helenista hat gesagt…

Vielen lieben Dank für den tollen Bericht. Ich leide seit Längerem unter einer sogenannten Hüftdysplasie und kann mitunter kaum ohne Schmerzen laufen, stehen usw. :-( Lange Zeit habe ich versucht, das Problem mit Schmerztabletten zu bekämpfen und mir eingeredet, es sei nicht so schlimm. Letztenendes bin ich dann doch zum Orthopäden. Meiner Meinung nach ist der Besuch beim Facharzt immer die richtige Lösung. Akupunktur hört sich zwar verlockend an, aber ich traue dem schönen Schein nur begrenzt (deine Erfahrungen bestätigen mich).
Losgeworden bin ich meine Schmerzen im Rücken und der Hüfte mit viel Sport (Pysiotherapie) und weichen Ferseneinlagen vom Orthopäden. Ich will jetzt keine Ferndiagnose erstellen, aber vielleicht würde dir Pysiotherapie ja auch helfen? Gute Besserung!

lg und viel Erfolg
Helen

C▲RO hat gesagt…

das klingt echt interessant, zumal ich eine schiefe Wirbelsäule habe und deswegen auch ab und zu Probleme mit dem Rücken hab:/

VT hat gesagt…

This is a great post, I absolutely love your blog! You are so pretty :) Im going to start reading now

xoxo
check out mine?
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Breanna hat gesagt…

Interessanter Bericht! Ich hatte bisher erst zweimal eine Sitzung, beides Mal zu was anderem. Da hatte ich auch nicht das Gefühl, es hilft was. Aber vll muss man das öfter machen.
Und irgendwie kann ich mir vorstellen, dass das bei Migräne oder nervlichen Sachen besser hilft als bei Verspannungen o.ä.
Und richtig entspannen konnte ich dabei auch noch nicht.

Grüße,
Breanna
http://dailyepilogue.blogspot.com

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